Corona-Krise: Was Startups mit Liquiditätsschwierigkeiten jetzt tun können

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Corona-Krise: Was Startups mit Liquiditätsschwierigkeiten jetzt tun können

Wenn man an Anfang März zurück­denkt, hätte ver­mut­lich kein­er gedacht, wie sich die Coro­na-Sit­u­a­tion entwick­elt. Nicht nur aus gesund­heitlich­er, son­dern auch aus wirtschaftlich­er Sicht ist das Virus für viele Men­schen eine Katas­tro­phe. Die Bun­desregierung hat ein Hil­f­s­paket in Höhe von 156 Mil­lio­nen Euro zuge­sagt – wobei man hier schon mal dif­feren­zieren muss, lock­er gemacht wer­den näm­lich 122,5 Mil­liar­den Euro, der Rest sind fehlende Steuere­in­nah­men. Die kom­men aber den Unternehmen nicht zu Gute, son­dern fehlen am Ende in der Staatskasse.

Die Unter­stützun­gen klin­gen sehr attrak­tiv. Doch wer sich in den let­zten Tagen und Wochen durch die Seit­en von BMWI und KfW gek­lickt hat, hat­te ver­mut­lich erst mal ein großes Frageze­ichen im Kopf. So ging es uns auch. Darum haben wir an ver­schiede­nen Webina­ren teilgenom­men, mit Steuer­ber­ater und Bankber­ater gesprochen, um die wichtig­sten Fak­ten für Star­tups zusam­men­zu­tra­gen. Ein Hin­weis an dieser Stelle: Wir sind keine Finanzber­ater und auch keine offizielle Infor­ma­tion­squelle. Dafür sprechen wir kein Kaud­er­welsch und möcht­en euch Infor­ma­tio­nen liefern, mit denen du dich dann an die entsprechende Stelle wen­den kannst.

Was du zuerst machen solltest: Steuerstundungen

Rel­a­tiv schnell und unkom­pliziert kannst du beim Finan­zamt Steuer­stun­dun­gen für die Einkommen‑, Kör­per­schaft- und Umsatzs­teuer beantra­gen. Du musst dafür glaub­haft machen, dass die Coro­na-Krise die fehlende Liq­uid­ität her­beige­führt hat. Du schaffst dir damit vorüberge­hend mehr Luft für deine Finanzen, aber trotz­dem muss das Geld an das Finan­zamt bezahlt wer­den. Vorauszahlun­gen kön­nen herun­terge­set­zt wer­den, aber auch hier wird am Schluss nichts erlassen. Du ver­schieb­st die Zahlun­gen also nur.

  • Antragsstelle: Finan­zamt, hier kannst du sel­ber anrufen oder die Stun­dun­gen über deinen Steuer­ber­ater beantra­gen
  • Vorteil: Schnelle und kurzfristige Steigerung der Liq­uid­ität
  • Nachteil: Steuern müssen auf jeden Fall nachgezahlt wer­den, Umsatzs­teuer und Lohn­s­teuer müssen weit­er­hin pünk­tlich gemeldet wer­den

 

Wenn es richtig brennt: Soforthilfen bis zu 30.000 Euro

Der Bund stellt für Klei­n­un­ternehmer Soforthil­fen zur Ver­fü­gung. Diese kön­nen je nach Bun­des­land vari­ieren. Damit du diese Soforthil­fe beantra­gen kannst, musst du allerd­ings im Antrag ver­sich­ern, dass du einen akuten Liq­uid­ität­sen­g­pass auf­grund der Coro­na-Krise hast. Dein Unternehmen darf sich vor dem 11. März 2020 noch nicht in finanziellen Schwierigkeit­en befun­den haben.

  • Antragsstelle: Län­der und Kom­munen
  • Vorteil: Unter­stützung, die nicht zurück­gezahlt wer­den muss
  • Nachteil: Wenn dein Unternehmen bere­its vor Coro­na in wirtschaftlichen Schwierigkeit­en war, darf­st du das Geld nicht beantra­gen, son­st dro­hen strafrechtliche Kon­se­quen­zen.

 

Förderkredite bei KfW und Co.

Die Sache mit den Kred­iten: Man muss sie zurück­zahlen. Darum über­lege dir vorher genau, ob du mit deinem Geschäftsmod­ell in der Lage bist, den Kred­it in den näch­sten Jahren zu tilgen. Wenn ja, kön­nen die Kred­ite der staatlichen Förder­bank KfW ein geeignetes Mit­tel sein, um die Exis­tenz zu sich­ern und die Krisen­zeit zu über­brück­en. Wichtig: Damit du den Kred­it bekommst, musst du aktuell das übliche Kred­it-Szenario durch­laufen. Dafür brauchst du eine pos­i­tive Bilanz bzw. eine betrieb­swirtschaftliche Auswer­tung des let­zten Geschäft­s­jahres, eine Liq­uid­ität­s­pla­nung und eine Rentabil­itätsvorschau. Damit prüft deine Haus­bank deine Kred­it­fähigkeit und stuft das Risiko ein – so wer­den übri­gens auch die Zin­sen berech­net. Kleine und mit­tlere Unternehmen zahlen je nach Laufzeit 1,00 bis 1,46 Prozent Zin­sen, größere Unternehmen 2,00 bis 2,12 Prozent pro Jahr. Der Kred­it­be­trag ist auf 25 Prozent des Jahre­sum­satzes von 2019 oder das Dop­pelte der Lohnkosten von 2019 begren­zt. Das soll­test du eben­falls berück­sichti­gen.
Es gibt ver­schiedene Kred­ite der KfW:
KfW-Kred­it für Unternehmen, die länger als 5 Jahre am Markt aktiv sind: Der KfW-Unternehmerkred­it ist für die Anschaf­fung von Betrieb­smit­teln oder für Investi­tio­nen gedacht. Hier unter­schei­det die KfW zwei Ziel­grup­pen. Für große Unternehmen mit mehr als 250 Mitar­beit­ern und mehr als 50 Mil­lio­nen Euro Umsatz gibt es eine Risikoüber­nahme von bis zu 80 Prozent. Bei kleinen und mit­tleren Unternehmen unter 250 Mitar­beit­er und weniger als 50 Mil­lio­nen Umsatz übern­immt die KfW-Bank bis zu 90 Prozent des Risikos.
KfW-Kred­it für Unternehmen, die weniger als 5 Jahre am Markt aktiv sind: Hier gel­ten die gle­ichen Regelun­gen wie oben. Nur dass der Kred­it ERP-Grün­derkred­it Uni­versell heißt. Für Star­tups, die max­i­mal 3 Jahre alt sind, kann auch der ERP-Grün­derkred­it Start­geld bis 100.000 Euro Kred­itvol­u­men inter­es­sant sein.

KfW-Son­der­pro­gramm – Kon­sor­tial­fi­nanzierun­gen: Für Star­tups ist das nicht rel­e­vant, da es hier um Finanzierun­gen ab 25 Mil­lio­nen Euro geht.

  • Antragsstelle: Haus­bank, für Grün­der sind die Exis­ten­z­grün­derzen­tren der Sparkasse zu empfehlen – die ken­nen sich sehr gut aus
  • Vorteil: Über­brück­ung von Liq­uid­ität­sen­g­pässen, teil­weise tilgungs­freies Jahr
  • Nachteil: Das Geld musst du zurück­zahlen

 

Kredite der Landesförderbanken

In Berlin ist es die IBB, in Bay­ern die LfA: Die Lan­des­förder­banken der Bun­deslän­der bieten eben­falls Kred­ite für Unternehmen an, die in Zeit­en von Coro­na in Schwierigkeit­en ger­at­en sind oder diese befürcht­en. Wir empfehlen hier auf die Zinssätze zu acht­en, denn für Star­tups sind ver­mut­lich die Kon­di­tio­nen der KfW-Kred­ite attrak­tiv­er. Lass dich am besten von dein­er Bank berat­en. Wie bere­its schon erwäh­nt, haben einige Banken wie z.B. die Sparkasse eigene Exis­ten­z­grün­derzen­tren. Die Berater ken­nen sich sehr gut mit den För­der­möglichkeit­en und Kred­iten aus und geben dir bere­its eine erste Ein­schätzung, welch­es Pro­gramm sich am besten für dich eignet.
  • Antragsstelle: Haus­bank
  • Vorteil: Im Ver­gle­ich zu den KfW-Kred­iten keine Vorteile für Star­tups
  • Nachteil: Ggf. höhere Zin­sen wie die KfW-Kred­ite

 

Kurzarbeit beantragen

Das hat ver­mut­lich jed­er schon mehrmals gehört, aber wir greifen es trotz­dem noch mal auf: Das Kurzarbeit­ergeld. Durch die neuen Beschlüsse ist es möglich, dass du bere­its für 10 Prozent dein­er Mitar­beit­er Kurzarbeit­ergeld beantra­gen kannst. So sparst du dir Arbeit­ge­ber­an­teile, denn die Beiträge zur Kranken‑, Pflege- und Renten­ver­sicherung auf die aus­ge­fal­l­enen Arbeitsstun­den wer­den von der Bun­de­sagen­tur für Arbeit über­nom­men, die Beiträge zur Arbeit­slosen­ver­sicherung ent­fall­en kom­plett. Das Kurzarbeit­ergeld beträgt 60 Prozent des ent­gan­genen Net­to­ge­halts des Arbeit­nehmers, hat dieser Kinder bekommt er 67 Prozent.

  • Antragsstelle: Agen­tur für Arbeit
  • Vorteil: Schon ab 10 Prozent der Mitar­beit­er möglich, Einsparung der Sozial­ab­gaben ohne Ver­lust von Mitar­beit­ern
  • Nachteil: Arbeit­nehmer erhal­ten weniger Net­to­ge­halt, Zus­tim­mung der Mitar­beit­er muss einge­holt wer­den

 

Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit

Diese Förderung wird häu­fig vergessen, darum weisen wir hier expliz­it noch mal darauf hin: Wenn du arbeit­s­los bist und planst, dein eigenes Unternehmen zu grün­den, kannst du bei der Bun­de­sagen­tur für Arbeit einen Grün­dungszuschuss beantra­gen. Du musst ver­schiedene Kri­te­rien erfüllen, unter anderem musst du die Selb­st­ständigkeit haupt­beru­flich ausüben und seit Beginn noch min­destens 150 Tage Anspruch auf Arbeit­slosen­geld haben. Der Grün­dungszuschuss ist die Höhe des zulet­zt erhal­te­nen Arbeit­slosen­gelds + 300 Euro für vor­erst sechs Monate. Danach kannst du den Grün­dungszuschuss weit­ere neun Monate erhal­ten.

  • Antragsstelle: Agen­tur für Arbeit
  • Vorteil: Zuschuss muss nicht zurück­gezahlt wer­den, Startschuss für deine Selb­st­ständigkeit
  • Nachteil: Kri­te­rien müssen erfüllt sein, Ver­mit­tlungs­fachkraft entschei­det über die Eig­nung für den Grün­dungszuschuss

 

EXIST-Gründerstipendium für Neugründungen

Wis­senschaft­lerIn­nen aus öffentlichen, nicht gewin­nori­en­tierten Forschung­sein­rich­tun­gen oder Hochschulen, Hochschu­la­b­sol­ven­ten oder Stu­den­ten sowie Grün­derteams bis max­i­mal drei Per­so­n­en kön­nen das EXIST-Grün­der­stipendi­um beantra­gen. Voraus­set­zung ist eine inno­v­a­tive, tech­nolo­gieori­en­tiere oder wis­senschaftliche Idee in Form eines Pro­duk­ts oder ein­er Dien­stleis­tung. Das Grün­der­stipendi­um gewährt zwis­chen 1.000 bis 3.000 Euro Zuschuss pro Monat zum Leben­sun­ter­halt. Außer­dem wer­den bis zu 30.000 Euro Sachaus­gaben und Coach­ing-Leis­tun­gen bis 5.000 Euro gefördert. Das Ganze geht ein Jahr.

  • Antragsstelle: Über Hochschulen oder außeruni­ver­sitären Forschung­sein­rich­tun­gen
  • Vorteil: Bis zu 3.000 Euro Leben­sun­ter­halt­szuschuss pro Monat pro Grün­der
  • Nachteil: Unternehmen darf zum Zeit­punkt der Antragsstel­lung noch nicht gegrün­det sein

 

Gute Idee? Bewirb dich bei Wettbewerben!

Egal ob du schon gegrün­det hast oder noch nicht: Nutze die Chance und bewirb dich bei Grün­der- und Busi­ness­plan­wet­tbe­wer­ben – ins­beson­dere, wenn du ger­ade sowieso mehr Zeit als üblich hast. Denn hier kannst du Gewinne bis zu 100.000 Euro abräu­men. Das ist bess­er als jed­er Kred­it, denn das Geld darf­st du behal­ten und ern­test darüber hin­aus auch noch Aufmerk­samkeit für dein Unternehmen.

  • Antragsstelle: Eine Über­sicht über Busi­ness­plan­wet­tbe­werbe und die Teil­nah­mebe­din­gun­gen find­est du zum Beispiel hier.
  • Vorteil: Prämien im sechsstel­li­gen Bere­ich, eine Menge Aufmerk­samkeit
  • Nachteil: Zeit für Busi­ness­plan-Ausar­beitung und Pitch vor Ort

 

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