Wie recher­chie­ren Jour­na­lis­ten?

Wie recher­chie­ren Jour­na­lis­ten?

Genau­er nach­ge­fragt: Wie recher­chie­ren Jour­na­lis­ten im digi­ta­len Zeit­al­ter? Denn die Zei­ten, in denen wir Bil­der vom Foto­gra­fen abge­holt, die Pres­se­mit­tei­lung 200 mal aus­ge­druckt, in Brief­um­schlä­ge ein­ge­tü­tet, fran­kiert und los­ge­schickt haben, sind lan­ge vor­bei. Zuge­ge­ben: Wir sind im Büro alle unter 30 und dar­um ist die­se ver­staub­te PR-Pha­se zum Glück an uns vor­bei gegan­gen. Wir beschäf­ti­gen uns tag­täg­lich mit der Fra­ge, wie wir Infor­ma­tio­nen noch effek­ti­ver streu­en kön­nen und eben auch, wie Jour­na­lis­ten recher­chie­ren.

Fakt ist: Pres­se­mit­tei­lun­gen sind nach wie vor die wich­tigs­te Quel­le für Jour­na­lis­ten. Doch auch die Digi­ta­li­sie­rung geht nicht an ihnen vor­bei. Wie also hat sich das Recher­che­ver­hal­ten durch Soci­al Media und Co. ver­än­dert?

Woher bezie­hen Jour­na­lis­ten am liebs­ten ihre Infor­ma­tio­nen?

Schon seit Län­ge­rem gibt es Gerüch­te, dass Pres­se­mit­tei­lun­gen immer unin­ter­es­san­ter wer­den und auch die Jour­na­lis­ten auf den Zug der Digi­ta­li­sie­rung auf­ge­sprun­gen sind. Suchen sie nach neu­en The­men, gehen sie erst mal online. Aber was ist dran an den Ver­mu­tun­gen?

Eine Stu­die von news aktu­ell hat 1223 Jour­na­lis­ten anonym nach ihren Prä­fe­ren­zen beim Recher­chie­ren befragt. Somit soll Klar­heit in das Mys­te­ri­um des Kamp­fes zwi­schen Pres­se­mit­tei­lung und Soci­al Media gebracht wer­den. Die Ergeb­nis­se sind dabei recht ein­deu­tig:
Nach wie vor kann die Pres­se­mit­tei­lung nicht von Platz eins der Infor­ma­ti­ons­quel­len abge­löst wer­den. Dem­nach nut­zen 86% der Jour­na­lis­ten immer noch die Pres­se­mit­tei­lung als Haupt­quel­le. Was sich hier jedoch stark ver­än­dert hat, ist die Nach­fra­ge nach wei­ter­füh­ren­den Mate­ria­li­en. Wäh­rend immer weni­ger Zeit zur Ver­fü­gung steht, um aus einer Pres­se­mit­tei­lung einen redak­tio­nel­len Bei­trag zu machen, benö­ti­gen Jour­na­lis­ten im Zeit­al­ter der digi­ta­len Medi­en immer mehr Bild- oder Video­ma­te­ri­al. Wer also sei­ner Pres­se­mit­tei­lung ein Bild anhängt bekommt auf jeden Fall ein Fleiß­stern­chen der Jour­na­lis­ten. Denn für 87% sind Bil­der sehr wich­tig und 88% bekom­men ger­ne Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen als Link zur Ver­fü­gung gestellt.

Wel­che wei­ter­füh­ren­den Infor­ma­tio­nen Jour­na­lis­ten min­des­tens ein­mal pro Woche ein­set­zen.
Quel­le: news aktu­ell, White­pa­per Recher­che 2016

Wo blei­ben die sozia­len Netz­wer­ke?

Auch in Sachen Face­book und Co. tut sich eini­ges. In der Stu­die wur­den die Jour­na­lis­ten in ihre Alters­grup­pen unter­teilt. Ins­ge­samt gibt es vier Grup­pen, das Alter wur­de dabei in „bis 35“, „35 bis 45“, „45 bis 50“ und „über 50“ geglie­dert. Bei der Fra­ge, wel­che Quel­le für die Recher­che genutzt wird, ist eine ein­deu­ti­ge Ent­wick­lung zu beob­ach­ten: Wäh­rend den über 50-Jäh­ri­gen Soci­al Media zwar durch­aus ein Begriff ist, nut­zen sie es mit 38% rela­tiv wenig. Fragt man jedoch die bis 35-jäh­ri­gen Jour­na­lis­ten, sieht die Welt hier schon wie­der ganz anders aus. Über drei Vier­tel der befrag­ten Jour­na­lis­ten bis 35 Jah­re nut­zen Soci­al Media als Recher­che-Quel­le. Das ist dop­pelt so häu­fig wie bei der ältes­ten Grup­pe. Soci­al Media gewinnt also neben der klas­si­schen Pres­se­mit­tei­lung klar an Bedeu­tung.

Je nach Alters­grup­pe spie­len die sozia­len Netz­wer­ke eine mehr oder weni­ger wich­ti­ge Rol­le in der Recher­che. Bei den Jour­na­lis­ten bis 35 Jah­re nut­zen über zwei Drit­tel Soci­al Media als Recher­che­quel­le.
Quel­le: news aktu­ell, White­pa­per Recher­che 2016

Wel­che sozia­len Netz­wer­ke wer­den genutzt?

Nun bleibt noch die Fra­ge, wel­che Kanä­le denn eigent­lich genutzt wer­den. Die vier gän­gi­gen sind dabei Face­book, You­Tube, Twit­ter und Xing. Die Jour­na­lis­ten wur­den auch hier befragt, wel­che spe­zi­fi­sche Quel­le sie nut­zen. Wie zu erwar­ten steht Face­book ganz weit oben: 95% der bis 35-Jäh­ri­gen nut­zen Face­book als Recher­che-Quel­le. Bei den über 50-Jäh­ri­gen nut­zen immer­hin 66% Face­book, um sich zu infor­mie­ren. Wel­cher Kanal jedoch für Über­ra­schung sorgt, ist You­Tube. Wäh­rend bei allen ande­ren Fra­gen bezüg­lich Soci­al Media ein star­ker Unter­schied zwi­schen den Alters­grup­pen zu sehen ist, wird die Video­platt­form von allen Grup­pen gleich­stark genutzt. 60 bis 69% der Jour­na­lis­ten bin­den Vide­os in ihre Recher­che mit ein.

95% der Jour­na­lis­ten bis 35 Jah­re nut­zen Face­book als Recher­che­quel­le. Auch You­Tube wird ger­ne genutzt – noch vor Twit­ter und Xing.
Quel­le: news aktu­ell, White­pa­per Recher­che 2016

Unser Fazit

Zurück zu unse­rer Anfangs­fra­ge: Wie recher­chie­ren Jour­na­lis­ten? Die Pres­se­mit­tei­lung ist und bleibt die Top-Infor­ma­ti­ons­quel­le und kann auch von kei­nem ande­ren Medi­um abge­löst wer­den. Trotz­dem erlebt die Pres­se­mit­tei­lung gera­de den digi­ta­len Wan­del. Denn für Jour­na­lis­ten ist es heu­te ein­fach wich­tig, dass Bil­der und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen vor­han­den sind. Die Infos sol­len dabei aber nicht in drei DINA4-Sei­ten an die Pres­se­mit­tei­lung ange­hängt, son­dern als Link hin­zu­ge­fügt wer­den. So wird der Jour­na­list einer­seits nicht mit einem end­lo­sen Text erschla­gen, ande­rer­seits bei Inter­es­se aber direkt und unkom­pli­ziert zu wei­ter­füh­ren­dem Mate­ri­al gelei­tet. Was immer stär­ker gefragt wird – auch bei unse­rer täg­li­chen Arbeit – sind Vide­os. Gera­de bei Star­tups aus dem Digi­tal- und IT-Bereich sind die Pro­duk­te häu­fig kom­plex. Mit einem Video kön­nen sie viel ein­fa­cher und schnel­ler erklärt wer­den als eine detail­lier­te Beschrei­bung auf zwei Sei­ten. Eine idea­le Kom­bi­na­ti­on ist die Pres­se­mit­tei­lung auf max. 1,5 DINA4-Sei­ten, wei­te­re Infor­ma­tio­nen über das Start­up und die Grün­der über einen Link auf die Pres­se­map­pe, min­des­tens zwei hoch­auf­lö­sen­de Bil­der und ein Video bzw. Link auf euren You­Tube-Kanal.