So beein­flus­sen Soci­al Media die Arbeit von Jour­na­lis­ten

So beein­flus­sen Soci­al Media die Arbeit von Jour­na­lis­ten

Jeder nutzt sie, jeder braucht sie und auch um die Jour­na­lis­ten machen sie kei­nen Bogen – die sozia­len Netz­wer­ke. Die Nut­zung von Soci­al-Media-Platt­for­men wird auch für den Jour­na­lis­mus immer wich­ti­ger. Wel­chen Zweck sie dabei erfül­len und was das nun für uns als PR-Schaf­fen­de zu bedeu­ten hat, erfahrt ihr hier.

Die Soci­al-Jour­na­lism-Stu­die hat sich mit der Fra­ge beschäf­tigt, wie Jour­na­lis­ten sozia­le Medi­en in ihrer Arbeit bewer­ten und nut­zen. Das Ergeb­nis ist ein­deu­tig: Sozia­le Netz­wer­ke sind aus dem Jour­na­lis­mus nicht mehr weg­zu­den­ken. So geben 82 Pro­zent aller Befrag­ten an, dass sie min­des­tens ein­mal die Woche für ihre Arbeit auf sozia­le Netz­wer­ke zugrei­fen. Ver­gleicht man die­se Zahl nun mit der Anzahl aus 2011, so nut­zen 2017 ein Fünf­tel mehr Jour­na­lis­ten Soci­al Media – bei­spiels­wei­se für ihre Recher­che-Arbei­ten. Hier wird klar, dass Face­book und Co. nicht mehr nur Platt­for­men zum Aus­tausch von per­sön­li­chen Inter­es­sen und Nach­rich­ten sind, son­dern ein ernst­zu­neh­men­des und pro­fes­sio­nel­les Werk­zeug für beruf­li­che Zwe­cke dar­stel­len.

 

©Start­up Com­mu­ni­ca­ti­on, mit Wer­ten der Cisi­on Soci­al Jour­na­lism Stu­die 2017
Abb. 1: 2011 und 2017 im Ver­gleich

 

Man könn­te jetzt auto­ma­tisch davon aus­ge­hen, dass auch die Zeit, die in den Netz­wer­ken ver­bracht wird, ange­stie­gen ist. Die­se ist aber unge­fähr gleich­ge­blie­ben. Somit ist die Anzahl der Befrag­ten, die täg­lich auf Soci­al Media zugrei­fen zwar hoch­ge­gan­gen, die dabei tat­säch­lich ver­brach­te Zeit aber nicht bedeu­tend ange­stie­gen.

Was sich jedoch gewan­delt hat, ist die Ansicht der Jour­na­lis­ten hin­sicht­lich der Nütz­lich­keit zur Medi­en­be­ob­ach­tung und Veri­fi­zie­rung von Infor­ma­tio­nen. Im Jahr 2011 hiel­ten knapp die Hälf­te aller Jour­na­lis­ten sozia­le Medi­en für wich­tig, um den Über­blick bei der Medi­en­be­ob­ach­tung zu behal­ten. Im Jahr 2017 stieg die­se Zahl auf 64 Pro­zent an.

Jour­na­lis­ten ver­brin­gen also nicht unbe­dingt mehr quan­ti­ta­ti­ve Zeit auf den sozia­len Netz­wer­ken. Der Out­put die­ser Zeit, also den Nut­zen den sie dar­aus zie­hen, hat für sie dafür deut­lich mehr Qua­li­tät.

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Die Sicht der Jour­na­lis­ten

Wir wis­sen nun also, dass Jour­na­lis­ten deut­lich mehr auf sozia­le Netz­wer­ke set­zen als sie das noch vor eini­gen Jah­ren getan haben. Aber was machen sie dort eigent­lich genau? Auch hier gibt es ziem­lich kla­re Ergeb­nis­se. Auf Platz eins steht das Grund­prin­zip der sozia­len Netz­wer­ke: das Ver­öf­fent­li­chen von Inhal­ten. Dabei geht es um das klas­si­sche „Pos­ten“. Es wer­den per­sön­li­che Inhal­te mit der Ziel­grup­pe geteilt. Den zwei­ten Platz belegt das Inter­agie­ren mit der eige­nen Ziel­grup­pe. Nir­gends sonst sind Jour­na­lis­ten so nah an ihren Kon­su­men­ten wie hier. Sie bekom­men ziel­ge­rich­te­tes Feed­back und sehen direkt, wie sich die Nut­zer ver­hal­ten – und das aus ers­ter Hand. Auf Platz drei befin­det sich die Medi­en­be­ob­ach­tung. Es ist heut­zu­ta­ge schon eine ech­te Rari­tät als medi­en­schaf­fen­des Unter­neh­men, nicht auf den sozia­len Netz­wer­ken ver­tre­ten zu sein. Das wis­sen auch Jour­na­lis­ten und pro­fi­tie­ren von der ver­ein­fach­ten und schnel­len Markt­be­trach­tung, die an einem Ort gebün­delt ist.

Was bedeu­tet das nun für die PR?

Bei der Zusam­men­ar­beit zwi­schen Jour­na­lis­ten und PR-Bera­tern ist ein klei­ner Wan­del zurück zum Ver­trau­en in die Arbeit von PR-Fach­leu­ten zu beob­ach­ten. Wäh­rend 2013 noch jeder Drit­te Befrag­te angab, dass er sich auf­grund sozia­ler Medi­en weni­ger auf PR-Fach­leu­te ver­las­sen muss, ist die­se Zahl im Jahr 2017 auf 15 Pro­zent gesun­ken. Mehr als die Hälf­te aller Jour­na­lis­ten, die dank Soci­al Media auf die Unter­stüt­zung durch PR-Schaf­fen­de ver­zich­tet haben, haben also in den letz­ten Jah­ren gemerkt, dass kein sozia­les Netz­werk so ein­fach die PR-Arbeit erset­zen kann.

 

©Startup Communication, mit Werten der Cision Social Journalism Studie 2017 Abb. 2: Anteil der Befragten, die den Aussagen zustimmen oder stark zustimmen

©Start­up Com­mu­ni­ca­ti­on, mit Wer­ten der Cisi­on Soci­al Jour­na­lism Stu­die 2017
Abb. 2: Anteil der Befrag­ten, die den Aus­sa­gen zustim­men oder stark zustim­men

 

Abschlie­ßend kann man also sagen, dass sozia­le Netz­wer­ke weder aus dem Jour­na­lis­mus, noch aus der PR weg­zu­den­ken sind. Die Zah­len zei­gen, dass das Ver­trau­en in die PR-Fach­leu­te trotz Soci­al Media wie­der steigt und die Qua­li­tät ihrer Arbeit nicht ein­fach ersetzt wer­den kann. Auch der Kon­takt zwi­schen Jour­na­lis­ten und PR-Schaf­fen­den ändert sich vor­erst nicht. Die klas­si­schen Wege über E-Mail und Tele­fon sind und blei­ben die wich­tigs­ten Metho­den, um in Kon­takt zu tre­ten. Soci­al Media macht bei der klas­si­schen PR-Arbeit also nur einen sehr gerin­gen Teil aus.

Inter­es­san­ter­wei­se schei­nen gene­rell jün­ge­re Jour­na­lis­ten, PR-Schaf­fen­den gegen­über offe­ner zu sein. Wäh­rend nur 16 Pro­zent aller befrag­ten Jour­na­lis­ten im Alter von 66 Jah­ren und älter anga­ben, dass PR-Fach­leu­te immer ihre Erwar­tun­gen erfül­len, lag die­ser Wert bei den 18 bis 27-jäh­ri­gen mehr als dop­pelt so hoch. Es ist also defi­ni­tiv ein Trend zurück zum Ver­trau­en in die PR zu erken­nen. Selbst Soci­al Media kann dem Gan­zen dabei kei­nen Strich durch die Rech­nung machen.