Wäre es nicht adäquat, den Usus heterogener Termini im Metier jeglicher Professionen zu minimieren?

Du stimmst zu? Oder verstehst nur Bahnhof? Dann lohnt sich ein Blick auf die sogenannte „Corporate Language“.

Jedes Unternehmen besitzt einen Markenkern, die sogenannte Corporate Identity (CI). Neben dem Corporate Design (CD) ist auch die Corporate Language (CL) Teil dieses Kerns. Während viele Unternehmen die Wichtigkeit des Corporate Designs schon vor langer Zeit erkannt haben und riesige Summen in das Erscheinungsbild ihrer Produkte und die visuelle Einheitlichkeit investieren, wurde die Firmensprache oft vernachlässigt.

Zu Unrecht. Denn für einen einheitlichen Unternehmensauftritt bedarf es nicht nur schicker Produkte, sondern auch einer durchdachten Sprache – und nichts anderes ist die CL. Die Sprache eines Unternehmens ist heutzutage ein essentielles Werkzeug für Firmen, um den eigenen Markenkern zu formen, einheitlich und verständlich zu kommunizieren und sich von der Konkurrenz abzuheben. Ebenso kann die Sprache positive Auswirkungen auf die Kundenbindung haben, wie das Beispiel von IKEA zeigt.

Der Du-Pionier mit Fake-Akzent: IKEA

Das schwedische Möbelhaus duzt in Deutschland seit 2004 konsequent alle Kunden und hat dafür in der Anfangszeit nicht zu wenig Schelte bekommen. Inzwischen ist die Sprache inklusive Akzent zu DEM Markenzeichen des Unternehmens geworden. Ob es im Gespräch mit Kunden, auf Social Media, in der Werbung, oder dem Online-Shop ist, die Sprache bleibt immer gleich: persönlich, direkt und unkompliziert. IKEA hat es vor vielen anderen geschafft, die gesamte CI durch eine einheitliche Sprache zu formen und der eigenen Marke eine unverwechselbare Persönlichkeit zu verleihen.

Das Erstellen einer CL trägt jedoch nicht nur zur Wiedererkennbarkeit des Unternehmens und einer einheitlichen Sprache bei. Sie soll auch Unverständlichkeiten in der „Business to Customer“-Kommunikation (B2C) vorbeugen. Unternehmen sehen sich und ihre Dienstleistungen sowie Produkte meist in einem anderen Licht, als es ihre Kunden tun. Ebenso gut kann es vorkommen, dass Fachvokabular verwendet wird, mit dem auf Kundenseite wenig bis gar nichts angefangen werden kann und so unnötige Missverständnisse entstehen.

Tipps für das Erstellen einer Corporate Language

 

Analysiert eure bisherige Firmensprache!

Zuerst sollte man sich bewusst machen, wie das Unternehmen bisher kommuniziert hat. Die eigene Kommunikation kann nur dann verbessert werden, wenn man weiß, welche Fehler man macht und wo der dringendste Nachholbedarf besteht.

Definiert, wer ihr seid!

Um eine erfolgreiche CL zu erstellen, muss man sich zuerst über seine eigenen Markenwerte im Klaren sein. Idealerweise ziehen sich diese dann durch die gesamte fertige Sprache. Mercedes-Benz Claim „Das Beste oder nichts“ beispielsweise funktioniert nicht nur als Anspruch an sich selbst, sondern auch als Versprechen an die Kundschaft und vereint damit die gesamte Unternehmensphilosophie in einem Satz.

Definiert, wer eure Kunden sind!

Mindestens genauso wichtig wie die Firmenidentität ist die der Kunden, die man hat oder noch erreichen will. Um die eigene Sprache gezielt ausrichten zu können, muss man wissen, welche Zielgruppe man anspricht.

Seid euch der Macht von Wörtern bewusst!

Verschiedene Begriffe lösen in verschiedenen Assoziationsfeldern verschiedene emotionale Reaktionen bei verschiedenen Menschen aus. Optimale Ergebnisse entstehen, wenn man die Zielgruppentypologie vom letzten Punkt mit dieser Typologie der Wörter vereint. So können der eigenen Zielgruppe Begrifflichkeiten, Formulierungen und Wortgruppen zugeordnet werden, von denen sie sich emotional angesprochen fühlt. „Sobald die Überweisung bei uns angekommen ist, werden wir Ihre Bestellung sofort verschicken“ liest sich nun mal völlig anders als „Wir können das Produkt nicht absenden, solange wir die Bezahlung nicht erhalten haben“.

Erstellt einen Style Guide!

Welcher sprachliche Stil wird benutzt, welche Tonalität? Siezen oder duzen? Welche Begriffe sind absolute No-Go’s? Wie sieht es mit Abkürzungen oder geschlechtergetrenntem Schreiben aus? Wenn man diese und noch mehr Sprach- und Stilrichtlinien in einem Dokument festhält, kann man die Cl noch stärker definieren und erleichtert Mitarbeitern die Kommunikation in ihrem Rahmen ungemein.